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Kino, DVD/Blu-Ray oder Stream? Wie werden Filme geschaut?

Marktanteile in Prozent von Unterhaltungsprodukten

Ich schrieb in einem vorherigen Artikel über die Verwertungskette von Filmen und wie lange ein Film braucht um vom Kino auf DVD und dann ins TV zu kommen. Anhand dieser Kette konnte man schon feststellen, dass dieser Vorgang kürzer wird und man seitens der Filmemacher versucht natürlich Filme maximal zu verwerten. Angegeben werden, dass die illegalen Downloads und Streams diese dazu zwangen.

Diesmal schauen wir uns an, wie Filme generell geschaut werden und wo die Umsatzzahlen liegen. Man kann anhand der Umsatzzahlen zu einem gewissen Teil sagen, wie die Menschen sich Filme anschauen und wo die Filmemacher am meisten verdienen, bzw. nicht mehr verdienen?

Der Gesamtmarkt im Vergleich

Wir schauen uns mal den gesamten deutschen Markt an, wofür Geld ausgegeben wird seit 2009 bis inkl. 2014.  Insgesamt wurde so viel ausgegeben:

 

 

Ausgaben für Unterhaltung in Deutschland

9 Milliarden ist schon eine ganz üppige Summe. Die Ausgaben sind so verteilt:

Marktanteile in Prozent von Unterhaltungsprodukten

Überraschend, dass Bücher hier die Statistik deutlich anführen 🙂 Dabei heißt es immer, dass die Gesellschaft degeneriert und alle weniger lesen. Scheint wohl ein Quatsch zu sein. Gaming verlor im Verhältnis immer mehr, aber das dürfte den Smartphones zu verdanken sein. mit den Smartphonespielen. Denn das Verhältnis verschiebt sich eigentlich gar nicht. Wir sehen, dass Videos im Verkauf und Verleih samt Kino zusammen nur 28% ausmachen, also unter einem Drittel. Dabei erkennen wir, dass Kino nur 11% ausmacht, der Kauf 14% und der Verleih nur 3%. Diesen Anteil analysieren wir nun etwas genauer.

Kino, Video kaufen und Video ausleihen im Vergleich

Kino_Kauf_Verleih_im Vergleich

Diesmal seit dem Jahr 2000 zum Anschauen. Wir sehen gesamtheitlich einen Wachstum von 2000 bis 2004. Dann ein Sinken bis 2008 und dann eigentlich einen Anstieg bis 2013. 2014 Wieder ein leichter Abwärtstrend. Insgesamt über die Jahre, sehen wir aber keinen dramatischen Verfall in der Filmbranche. Ganz im Gegenteil man ist fast auf ein Allzeithoch.
Aus dieser Grafik erkennen wir, dass der Kinoanteil ab 2000 immer geringer wird im Vergleich zum Kaufanteil. D.h. ein Film verdient mehr an den DVD-Verkäufen und am DVD-Verleih als den Kinokassen. Dennoch verdienen die Kinos an sich nicht wirklich weniger, deren Anteil bleibt absolut die ganzen Jahre konstant. Jammern dürfen die da nicht wirklich. Aus einer anderen Quelle ergibt sich, dass Filme ca. 25% im Kino verdienen, 40% im Verkauf/Verleih, 28% an Filmrechten für TV und den Rest mit Merchandising Artikeln und anderen Rechten. Die Filmbranche an sich darf nicht Jammern, das einzige was mit einfließt ist, dass der Kuchen, der kaum wächst, durch immer mehr geteilt werden muss. Es gibt einfach immer mehr Filme auf dem Markt.

DVD/Blu-Ray im Kauf und im Verleih

Verteilung der Filmverkäufen nach Produkttyp

Und nun lassen wir die Kinos außen vor. Die obige Statistik zeigt in Millionen von Euro, wie viel Umsatz mit Filmen nach dem Kino, also mit DVDs/Blu-Rays und digitalen Verkäufen gemacht wird. Die gute alte Videokassette gab es noch bis ca. 2005, ab dann verschwand sie von der Bildfläche und wurde von der DVD abgelöst. 2008 kam die Blu-Ray. Hier wird alles dargestellt Verkauf und Verleih. Die Branche kann nicht wirklich jammern. Wir sehen, dass digitale Downloads und digitale Vermietung immer mehr an Marktanteilen gewinnen, dennoch ist der digitale Bereich, obwohl er in aller Munde ist, nur ein sehr kleiner Anteil. Lediglich jede zwölfte Verkauf/Vermietung ist eine digitale. Immer noch dominiert die DVD und die Blu-Ray, die jedes Jahr wächst. Die DVDs müssen Aufgrund der Blu-Rays jedes Jahr Anteile verlieren, aber zusammengerechnet, haben diese bis 2013 immer zugelegt. 2014 ging es leicht Berg ab.

Kaufmarkt_Verleihmarkt Verteilung von Filmen

Und hier kurz die Verteilung der letzten 3 Jahre. Im Verkauf sieht man deutlich, dass der digitale Bereich kaum Aufwind erfährt. Es geht nicht um Onlinebestellungen, sondern um diese Optionen sich Filme auf Lebzeit als Stream zu kaufen. Man besitzt dann nur die Rechte an einem Film bei einem Dienst. Nicht wirklich attraktiv, wie ich finde, da ist es verständlich, dass die Menschen sich lieber physische Datenträger kaufen. Immerhin kann man diese auch wieder verkaufen und man besitzt sie länger als es manche Dienste überhaupt gibt.

Im Verleih ist es aber der Bereich, wo die digitalen Anbieter Aufwind erfahren. Hier schrumpft der Verleih von Videotheken mit physischen DVDs/Blu-Rays immer mehr. Hier eine Grafik mit absoluten Zahlen:

Leihmarkt_Enwicklung_Filme_Serien

Die Grafik zeigt den Umsatz im Millionen von Euro. Man sieht, dass klassische Videotheken nur 132+56 Millionen noch ausmachen und die Internetanbieter mit 52+83 stark aufholen. SVoD bedeutet der Verleih durch Abomodelle, TVoD ist der temporäre Verleih, quasi Verleih aber digital nur von einem bestimmten Titel. Insgesamt stieg der Umsatz durch Verleih seit 2011 kontinuierlich. Aber auch nur wegen dem digitalen Trend, ansonsten schaut es für Videotheken düster aus. Auch Europaweite Statistiken zeigen alle das Gleiche.

Interessant ist aber auch Folgendes:

Stückzahlen_Verleich_Filme

Obwohl die Umsätze seit 2011 stetig steigen, sinken die Stückzahlen des Verleihs ebenso stetig. (die Abo-Modelle nicht inbegriffen). Und dann auch noch die Preisentwicklung der Videothekgebühren:

Videothekgebühren_Verlauf_Jahre

Praktisch gab es fast keine Preiserhöhungen der regionalen Videotheken, dennoch stieg der Umsatz. Das ist nur zu erklären, weil die Onlinedienste viel höhere Preise angesetzt haben, als die regionalen Videotheken. Bei denen fängt ein Verleih ab ca. 4,99 an. Sie haben höhere Umsätze erreicht, durch höhere Preise. Das spricht irgendwie gegen die regionalen Videotheken. Sie  haben eigentlich die besseren Produkte (Blu-Rays) zu günstigeren Preisen und dennoch verlieren sie stetig an Boden gegen die Onlineanbieter.

Eine letzte Statistik noch zu den Verkäufen:

Videomarkt_Verkauf-Verteilung

Auch da sehen wir, dass das Internet kaum Boden gut macht. Man kauft ebenso viele Filme im Elektrofachgeschäft, wie im Internet ein. Auch andere Einzelhändler machen da einen großen Brocken aus, Buchhandel, Drogerie, Lebensmittelhändler und Discounter. Man kann sagen, dass die Drogerien und Lebensmittelhändler zusammen mit den Buchhändlern mehr Filme verkaufen als alle Streaminganbieter zusammen. Witzig oder?

Was ist der Fazit der Entwicklung am Markt?

Im Gesamten macht der Filmmarkt immer schon einen konstanten Teil des Unterhaltungsmarktes aus. Die Menschen geben nicht mehr Geld für anderes aus. Überhaupt wird relativ konstant dafür ausgegeben. Für mich überraschend war, wie hoch der Anteil der Verkäufe im Vergleich zum Rest ist. Der klassische Verkauf auch außerhalb des Internets macht einen Bärenanteil aus. Jeder Neunte leiht einen Film anstatt ihn zu kaufen und von diesem kleinen Anteil holen sich gerade mal die Hälfte den Film bei einem Onlineanbieter.

Der digitale Markt, quasi ohne physischem Medium, gewinnt an Boden, aber das hauptsächlich in der Vermietung und auch nicht in dem Maße, in dem man es medial wahr nimmt.
Einzige Verlierer scheinen die klassischen Videotheken zu sein, die eigentlich mit dem besseren Angebot dennoch jedes Jahr an Markt verlieren. Darüber müsste ich mal demnächst einen Artikel schreiben.

 

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